Norman Gerhardt, Wissenschaftler

„Wir wollen jetzt die Wärmewende“

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Norman Gerhardt

Energiewende in Deutschland: Millionen Tonnen Treibhausgase sollen laut den Klimaschutzzielen der Bundesregierung bis 2020 eingespart werden – 78 um genau zu sein. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts fordern nun eine „Wärmewende“. Was bedeutet das? STIEBEL ELTRON Energy Life hat bei Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES nachgefragt.

Allein 30 Millionen Tonnen Treibhausgase sollen durch eine bessere Energieeffizienz bei Gebäuden eingespart werden. Heißt: Nötig dafür sind Häuser mit guter Dämmung. Oft vergessen: das Thema Wärmeerzeugung im Haus. Denn anders als im Strombereich kommt die Energiewende im Wärmebereich nur schleppend voran.

Herr Gerhardt, Sie sagen, dass eine Energiewende nur mit einer „Wärmewende“ möglich ist. Warum?

Das Ziel ist es CO2 einzusparen, das ist uns allen klar. Allerdings ist das Thema Wärme in der Debatte leider ein schlafender Riese. Dabei können wir im Wärmesektor nur durch den Einsatz von erneuerbarem Strom den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren. Eigentlich wäre es ganz einfach: Ölheizung raus und effiziente Heiztechnik wie Wärmepumpen rein ins Haus. „Power-to-Heat“, also Strom nutzen, um Wärme bereitzustellen. Leider hat Strom aber bei vielen Menschen noch ein negatives Image. Oft wird hier an alte Nachtspeicheröfen gedacht, statt an moderne und vor allem effiziente Heiztechnik. Hier muss ein Umdenken im Kopf stattfinden. Denn langfristig ist der Einsatz eines hohen Anteils von regenerativ erzeugtem Strom im Wärmesektor unabdingbar – Deutschland braucht eine Wärmewende. Wichtig ist dabei, dass auf effiziente Technik wie Wärmepumpen gesetzt wird. Auch Photovoltaik ist in diesem Zusammenhang nicht außer Acht zu lassen. Die Erzeugung, die clevere Nutzung und die Speicherung von Strom ist unsere Zukunft. Und: Wir werden in Zukunft viel Strom verbrauchen. Umso wichtiger ist es den Einsatz effizient zu managen. Die Technik dafür gibt es heute schon!

Klingt logisch. Warum wird’s nicht umgesetzt?

Die Rahmenbedingungen sind derzeit nicht stimmig: Dem vermehrten Einsatz von Ökostrom im Wärmesektor steht die ungleiche Kostenbelastung im Weg. Heißt: Strom trägt allein die Kosten der Energiewende und ist daher zu teuer – insbesondere im Vergleich zu fossilen Brennstoffen. Hier ist ganz klar die Politik gefordert!

Wie könnte man Ihrer Meinung nach diese Herausforderungen meistern?

Als Schlüsseltechnologie sehe ich Wärmepumpen für Haushalte, aber auch für Gewerbe und Industrie. Ihr Anteil muss kontinuierlich gesteigert werden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre meiner Meinung nach eine weitere und stabile Förderung für Wärmepumpen. Denkbar wäre auch eine aufkommensneutrale Umschichtung der Stromsteuer zu einer Anhebung der Energiesteuer für Heizöl und -gas. Auch eine CO2-Abgaben oder eine CO2-bezogene Energiebesteuerung für fossile Energieträger halte ich für denkbar. Mit solch einer Unterstützung vom Staat würde beim Bürger das Umdenken im Kopf auch leichter fallen – die Wärmewende könnte endlich beginnen.

Vielen Dank.

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Kommentare
  1. Hallo Herr Jaletzky,

    da bin ich Ihrer Meinung! Energiewende heißt auch Wärmewende. Wir von STIEBEL ELTRON setzen hier natürlich auf unsere effizienten Wärmepumpen. Gut, wenn dafür Rahmenbedingungen geschaffen werden.
    Ich bin gespannt auf die Ergebnisse Ihrer Konferenz!

    Herzliche Grüße
    Mareike Köster

    Mareike Köster | STIEBEL ELTRON
  2. Wärmewende benötigt mehr Aufmerksamkeit

    Die Energiewende wurde in den letzten Jahren oft nur als Stromwende gedacht. Das ist zu kurz gesprungen und muss nun auf vielen Ebenen aufgefangen werden. Insbesondere in den Rahmenbedingungen, wo sich die notwendige Sektorenkopplung – oder Konvergenz wie EUROSOLAR es nennt – noch nicht entsprechend wiederfindet. Gleichzeitig ist es wichtig, die vorhandenen und schnell erschließbaren Potentiale für Wärme- und Kälteanwendungen zu berücksichtigen und unter der Maßgabe von Flexibilität und Einsparung von fossilen Ressourcen ebenfalls auszubauen.
    Unsere kommende Stadtwerke-Konferenz in Schwerin wird dazu einige Beiträge enthalten!
    http://www.stadtwerke-konferenz.eurosolar.de

    Beste Grüße
    Tobias Jaletzky

    Tobias Jaletzky
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