Dr. Kai Schiefelbein, STIEBEL ELTRON Geschäftsführer Technik

„Ohne Wärmepumpe keine Wärmewende“

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Berliner Energietage_Ohne Wärmepumpe keine Wärmewende

Energietage in Berlin: Drei Tage lang diskutierten Experten über die Energiewende in Deutschland. Dr. Kai Schiefelbein, Technischer Geschäftsführer bei STIEBEL ELTRON, war unter den Referenten – im Gepäck: 5 Thesen, wie die Energiewende im Heizungskeller gelingen kann. Sie haben das Event verpasst? Energy Life hat für Sie nachgefragt.

STIEBEL ELTRON GEschäaftsführer Dr. Kai Schiefelbein im Interview über Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie für die EnergiewendeHerr Dr. Schiefelbein, warum ist Ihrer Meinung nach die Wärmepumpe die Schlüsseltechnologie für die Energiewende im Heizungskeller?

Ganz einfach: Wenn wir die Energiewende ernst nehmen und CO2 einsparen wollen, dann müssen wir auf Wärmepumpen setzen. Es gibt keine andere Lösung! Wärmepumpen können als einzige Erneuerbare Energien-Heiztechnik ganzjährig und theoretisch unbegrenzt Wärme aus Erneuerbaren Energien erzeugen – denn Umweltenergie aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser ist immer da. Dagegen können Sie Solarthermie nur effizient im Sommer und in der Übergangszeit nutzen, wenn die Sonne scheint und Biomasse ist begrenzt verfügbar. Darum sind Wärmepumpen die Schlüsseltechnologie der Energiewende! Fast jedes Gebäude kann über irgendeine Wärmepumpen-basierte Lösung versorgt werden und zwar in kleinen Gebäuden, in großen Gebäude oder in Quartieren. Wärmepumpen funktionieren als Einzellösung, aber auch in Wärmenetzen. Wärmepumpen können: Heizen, kühlen und warmes Wasser – wahre Multitalente!  Dabei sind Wärmepumpen äußerst effizient – das verdeutlicht auch das neue Energielabel für Heizgeräte.

Eine These, die Sie auf den Berliner Energietagen vertreten haben lautet: „Sektorkopplung bedeutet Dekarbonisierung durch intelligente Elektrifizierung.“ Was heißt das?

Unter dem Stichwort „Sektorkopplung“ fordern Experten eine effizientere Verbindung des Strom- und Wärmemarktes, um die Energiewende voranzubringen. Die Energiewende muss im Heizungskeller ankommen. Die große Frage ist: Mit welcher Technik sparen wir nun CO2 ein, um dieses Ziel zu erreichen? Wenn man im Wärmesektor aus Öl und Gas raus will, und man anerkennt, dass das mit Solarthermie, Biomasse und Dämmung nur in begrenztem Maß geht, bleibt nur der erneuerbare Strom als Endenergieträger für die Wärme der Zukunft. Strom im Wärmesektor – auch überschüssiger – muss dafür eingesetzt werden, so viel CO2 wie möglich einzusparen. Kein Problem mit effizienter Technik und intelligentem Energiemanagementsystem!

Um noch einmal auf die Schlüsseltechnologie Wärmepumpe zurückzukommen: die Zahlen sprechen in diesem Kontext für sich. Ein Heizstab kann mit 1 kWh Erneuerbarer Energie-Strom höchstens 1 kWh CO2-freie Wärme bereitstellen. Eine Wärmepumpe dagegen 3-4 kWh und mehr. Es wird in dieser Diskussion vielfach die Meinung vertreten, dass man mit Power-to-Gas oder Power-to-Liquid den Wärmemarkt von fossilen auf synthetische Brennstoffe umstellen kann. Nimmt man aber alle Wirkungsgrade und Arbeitszahlen und vergleicht diese, kommt dabei heraus, dass man dafür fünf Mal so viel Strom bräuchte, als wenn man eine Wärmepumpe nähme. Natürlich ist Power-to-Gas als Flexibilitätsoption wichtig, aber es ist keine Dekarbonisierungsstrategie für den Wärmemarkt. Dazu bräuchte man zu viel elektrische Leistung.

Ist die effiziente Sektorkopplung denn technisch machbar?

Meine Antwort ist ein klares Ja! Intelligentes Energiemanagement, Digitalisierung, Internet-Connectivity und Smart Home sind Großtrends auch in der Gebäudebranche. STIEBEL ELTRON hat hierzu heute schon eine Reihe von Smart Home-Lösungen: zum Beispiel ISG, KNX oder EMI. Intelligente Technik im Haus ist die Voraussetzung für eine Optimierung des Verbrauchs. Technisch ist das kein Problem. Die meisten Wärmepumpen-Anlagen beinhalten einen Pufferspeicher und sehr viele Modelle werden heute mit dem SG-Ready-Standard des Bundesverbands Wärmepumpe angeboten, der eine intelligente Steuerung ermöglicht.

Sie sagen, die Sektorkopplung muss durch effiziente Technologien erfolgen und dem größtmöglichen Einsatz Erneuerbarer Energien dienen. Ist die Wärmepumpe da die richtige Lösung?

Auch energiewirtschaftlich ist die Wärmepumpe kein Problem. Obwohl viele behaupten: Wir bräuchten dann zu viele Windräder und Reservekraftwerke. Die Energieeffizienzstrategie Gebäude der Bundesregierung widerlegt das, und die geht teils von einem noch stärkeren Wärmepumpen-Ausbau als der Bundesverband Wärmepumpe aus: Bis 2030 steigt die installierte Leistung zwar womöglich leicht an, bis spätestens 2050 sinkt sie aber in allen Szenarien. Das hängt natürlich davon ab, dass die Gebäude durch Dämmung effizienter werden, sodass der Strombedarf reduziert wird. Hier wird deutlich dass die Wärmewende ein Zusammenspiel von Gebäudeeffizienz und Erneuerbaren Energien ist. Und es hängt davon ab, dass ineffiziente strombasierte Wärmeerzeuger ausgetauscht werden.

Ihre 5. These ist: „Sektorkopplung funktioniert vor allem über die Energiepreise.“ Wie kann man die Sektorkopplung vorantreiben?

Aus meiner Sicht sind die Energieträgerpreise dafür entscheidend, aus zwei Gründen: Erstens sind sie entscheidend, dass die Wärmepumpe wettbewerbsfähig gegenüber anderen Technologien ist. Und zweitens schaffen flexible Preise den Anreiz für eine strommarktorienterte Fahrweise der Wärmepumpen. Leider sind die Preise derzeit aber eher das Problem als ein Teil der Lösung: Staatliche Preisbestandteile verteuern den Strom gegenüber Öl und Gas und machen ihn weniger wettbewerbsfähig. Der Absatz zeigt es: Während der Ölpreis massiv verfiel, gingen die Verkaufszahlen Erneuerbarer Wärmeerzeuger zurück und die der Öl-Heizungen schossen durch die Decke. Gleichzeitig machen staatliche Preisbestandteile die Preise unflexibel, sodass Versorger keine variablen Tarife anbieten können. Im Weißbuch Strommarkt hat die Bundesregierung dieses Problem erkannt und will durch ein neues Preismodell Abhilfe schaffen. Das muss schnell und entschieden umgesetzt werden. Die Sektorkopplung muss bei allen energiepolitischen Maßnahmen mitgedacht werden. Beim Marktanreizprogramm hat man das beispielsweise schon geschafft  durch den Lastmanagement-Bonus. Wichtig wäre es aber auch zum Beispiel beim EEG: Die Umlage macht den Strompreis teuer und starr. Hier gäbe es andere Optionen, z.B. einen steuerfinanzierten Fonds à la Klaus Töpfer, oder eine Flexibilisierung, wie der BEE sie vorschlägt. Die Anforderungen der Sektorkopplung müssen auch bei den Ausbaukorridoren berücksichtigt werden.

Vielen Dank.

Und Sie? Setzen Sie schon auf eine Wärmepumpe in Ihrem Zuhause? Schreiben Sie uns!

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Kommentare
  1. Hallo Herr Botta,

    STIEBEL ELTRON unterstützt Fachhandwerker mit einer Vielzahl von Seminaren. Ob es dabei um komplexe Gerätetechnik, die richtige Planung oder wichtige Installationstipps geht – wir bieten die passende Weiterbildung an, in unserem Energy Campus in Holzminden, aber auch bei Ihnen in der Schweiz.

    Sollte eine Anlage in Ihrer Region fehlerhaft laufen, prüfen wir das sehr gerne. Senden Sie mir einfach Ihre Kontaktdaten und weiteren Infos via Email an social.media@stiebel-eltron.de. Ich leite Ihre Email dann an meine Schweizer Kollegen weiter.

    Herzliche Grüße
    Mareike Köster

    Mareike Köster | STIEBEL ELTRON
  2. Hallo Herr Strasser,

    ich bin da bei Ihnen, dass für eine bessere Energieeffizienz in den Gebäuden eine gute Dämmung wichtig ist. Laut Studien des Bundesverbands für Wärmepumpen sind der Großteil des deutschen Gebäudebestandes unsaniert. Aber reicht es allein nur zu dämmen? Oft in der Diskussion vergessen: das Thema Wärmeerzeugung im Haus. Die Energiewende muss im Heizungskeller ankommen! Das war auch das Thema der Berliner Energietage. Bei einer Sanierung muss es letztlich darum gehen, dass alle Gewerke zusammenspielen – Dämmung, effiziente Technik im Haus und ein smartes Energiemanagement! Auch Photovoltaik ist in diesem Zusammenhang nicht außer Acht zu lassen. Die Erzeugung, die clevere Nutzung und die Speicherung von Strom ist unsere Zukunft.

    Herzliche Grüße
    Mareike Köster

    Mareike Köster | STIEBEL ELTRON
  3. Stromverbrauch von Wärmepumpen

    Ist alles schön und gut, sofern JAZ-Werte von 3 – 4 (wie oben erwähnt) tatsächlich erreicht werden. Leider bin ich auf WP-Installationen gestossen, die wegen mangelnder Fachkenntnis und Sorgfalt des Installateurs einerseits, und der „grosszügigen Duldung“ verletzter Installationsvorschriften seitens Stiebel-Eltron andererseits mit JAZ-Werten von kaum 2 betrieben werden!

    Botta
  4. Wärmepumpe

    Hallo!
    1kWh Strom bringt 1kWh Wärme – aber: wer heizt den „direkt“mit Strom. Und selbst wenn eure Wärmepumpen den Energieertrag verfünffachen (im Schnitt; mehr sicher nicht!) und ALLE auf Wärmepumpen umrüsten, dann überlegt mal, wie viel mehr STROM wird plötzlich „zum Heizen“ verbrauchen, weil alle Wärmepumpen im Winter auf Volllast laufen. Und wenn dieser Strom nicht regenerativ hergeht, ist eure wunderschöne „Wärmepumpen sind ideale Heizgeräte“-Welt zusammengebrochen.
    DARUM: das Ziel muss heißen „HÄUSER DÄMMEN und WENIGER ENERGIE zum Heizen brauchen“ statt „die Wärmepumpe ist das Allheitmittel und hat überhaupt gleich gar keine Nachteile“.

    Gruß
    Robert Strasser

    Robert Strasser
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