Ein Interview mit Dr. Nicholas Matten

Neues Klimapaket – bringt das was oder kann das weg?

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Die meisten Menschen in Deutschland heizen mit fossilen Brennstoffen. Und Öl erwärmt hierzulande immer noch ein Viertel aller Haushalte. Dabei gilt es als besonders klimaschädlich, weil besonders viel CO2 entsteht, wenn wir damit heizen. Deshalb will die Bundesregierung im Rahmen ihres viel kritisierten Klimapakets mit finanziellen Anreizen dafür sorgen, dass Gebäude möglichst schnell umgerüstet werden. Dr. Nicholas Matten, Geschäftsführer von Stiebel Eltron, hat im Interview erklärt, wie das funktionieren kann und was es mit dem Klimaschutzpaket auf sich hat.

 

 

Warum heizen viele Menschen noch mit Öl und Gas?

“Die Technik mit Öl und Gas zu heizen ist schon seit vielen Jahrzehnten gängige Praxis. Umweltfreundliche, CO2-neutrale Heizsysteme wie die Wärmepumpe sind im Vergleich noch relativ jung, setzen sich aber zunehmend durch.

Die Ablösung von Öl und Gas könnte mit einer Verursachergerechten Energiepolitik durch die Bundesregierung deutlich beschleunigt werden.

Der Strompreis ist heute für Endverbraucher ein Problem. Eigentlich ist Strom überhaupt nicht teuer, die Stromerzeugungskosten sind derzeit so niedrig wie nie zuvor. Strom wird aber künstlich durch Steuern und Abgaben, wie zum Beispiel die sogenannte EEG-Umlage, sehr teuer gemacht.

Im europäischen Vergleich zahlen deutsche Verbraucher die höchsten Preise. Seit 2005 hat die Politik den Preisabstand von Strom im Vergleich zu Erdöl und Gas mehr als verdreifacht, daher fehlt oft der nötige Anreiz auf umweltverträgliche Heiztechnik umzusteigen.“

 

Welche Möglichkeiten habe ich denn, mein Zuhause effizient zu heizen?

„Zunächst kann und sollte jeder auf unnötiges Heizen verzichten. Dauerlüften anstatt Stoßlüften ist ein Beispiel für unnötiges Heizen, auch bringt eine Absenkung der Raumtemperatur um ein halbes Grad schon recht viel.

Um aber wirklich einen Schritt zu gehen, sollte man auf Wärmepumpen umsteigen. Eine Wärmepumpe verbraucht zwar Strom; sie macht aber aus einem Teil Strom durch Nutzen von Umweltenergie bis zu sechs Teile Wärmeenergie im Gebäude. Das Prinzip dahinter ist wie bei einem Kühlschrank, nur dass es umgekehrt abläuft – anstatt einen kleinen Raum zu kühlen und dabei Wärme abzugeben, kann eine Wärmepumpe ein großes Gebäude heizen – und kühlt die Umgebung.

Die Wärmepumpe ist daher auch das einzige Heizsystem, welches im Sommer auch kühlen kann – bei den immer wärmer werdenden Perioden kein zu vernachlässigender Vorteil gegenüber Öl und Gas.

Wer die Wärmepumpe mit selbsterzeugtem Strom der Photovoltaik-Anlage versorgt, spart richtig Geld – und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen”

 

Inwieweit hilft denn das geplante Klimapaket aus Ihrer Sicht dabei, fossile Energieträger zurückzudrängen?

„Das Klimapaket ist ein erster, wenn auch kleiner Schritt. Es leuchtet mittlerweile fast jedem ein, dass bei der Atomkraft der Betreiber auch für die Folgekosten (und -schäden) aufkommen muss, nur beim Heizen mit Öl und Gas sowie an der Tankstelle fehlt oftmals genau dieses Verständnis.

Das Klimapaket ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, zu Verursacher-gerechten Energiepreisen.

Ab 2021 werden Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe erfasst und die Folgekosten durch eine CO2-Bepreisung anteilig berücksichtigt. Dabei werden Zertifikate an die Unternehmen, die Heiz- und Kraftstoffe in Verkehr bringen, verkauft, die wiederum diese Kosten an die Verbraucher weiterreichen werden. So ein Zertifikat ist also quasi ein ‘Verschmutzungsrecht’.

Der Preis startet mit zehn Euro pro Tonne CO2, was umgerechnet etwa 3 Cent pro Liter Benzin an der Zapfsäule ausmachen wird. Er steigt bis 2025 auf einen Festpreis von 35 Euro pro Tonne CO2.

Ab 2026 bildet sich der Preis am Markt, solange er sich zwischen einem festgelegten Mindest- und Höchstpreis bewegt.

Die Gesamtmenge der Zertifikate ab 2026 entspricht den Erfordernissen der deutschen und europäischen Klimaziele. Doch: wenn wir weiterhin zu viel CO2 ausstoßen, erreichen wir so die Klimaziele höchstwahrscheinlich nicht.

Hier fehlt leider der Mut zum großen Schritt.”

 

Welche Rolle spielt der Strompreis bei der Energiewende?

„Der Strompreis ist ein entscheidender Faktor. Im Gegensatz zu Öl, Gas und Benzin, wird heute schon der CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung berücksichtigt und ‘bestraft’. Wenn der Strom aber nicht zudem künstlich teurer gemacht würde, dann wären alternative Techniken in allen Bereichen wettbewerbsfähiger. Dazu muss gleichzeitig der CO2-Ausstoß mit empfindlicheren Kosten verbunden sein.

Um den Verbraucher zu entlasten würde es schon genügen, das Geld, das aus der CO2-Bepreisung eingenommen wird, zur Senkung des Strompreises zu nutzen. Denn; egal wie ich heize und welches Auto ich fahre – Strom verbraucht jeder!”

 

Welche Fördermöglichkeiten gibt es, wenn ich umrüsten möchte?

“Es gibt schon länger verschiedene Fördermaßnahmen, wie beispielsweise das Marktanreizprogramm, bei dem man beim Einbau einer Wärmepumpe zwischen rund 1.500 Euro bis zu 9.000 Euro als Zuschuss beantragen kann.

Daneben bietet die KfW Kredite für klimafreundliche Modernisierungsmaßnahmen, wie beispielsweise der Ersatz eines Wärmeerzeugers auf Basis von Öl und Gas durch eine effiziente Wärmepumpe.

Neu im Klimapaket verankert und als Gesetz geplant ist die steuerliche Abschreibung der Heizungsmodernisierung, wobei die Quote mit zunehmender CO2-Reduzierung gesteigert werden soll.

Wer also viel CO2 einspart, soll viel Steuern sparen, was zusammen mit vernünftigen Energiepreisen absolut Sinn macht.

Das ist für den Staat immer noch viel billiger, als nichts tun und die Folgekosten des Klimawandels und der Strafen auf EU-Ebene durch die Nichteinhaltung der CO2-Ziele zu bezahlen.”

 

Ein Schritt in die richtige Richtung ist getan, beim Ausstieg aus der fossilen Energienutzung. Langfristig muss das Klimapaket aber noch ausgebaut werden. Weitere Infos gibt’s auch im Netz unter stiebel-eltron.de/klimanotstand.

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