Frank Röder, Session-Rückblick vom Barcamp Renewables

Energy Campus: Auf dem Weg zum Plusenergiehaus

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Barcamp Renewables in Kassel: Zwei Tage diskutierten Energieblogger und Energiewende-Interessierte Themen rund um Erneuerbare Energien. Frank Röder stellte in einer Session die erste Energiebilanz des STIEBEL ELTRON Energy Campus vor. Ein Rückblick.

Herr Röder, was ist das Besondere am Energy Campus?

Frank-Röder-stellt-das-Konzept-des-Energy-Campus-vorDer Energy Campus ist unser Schulungs- und Kommunikationszentrum in Holzminden. Im Energy Campus geben wir unser Know-how an unsere Partner weiter: Wissen über Technologie, mit der die Zukunft schon heute umsetzbar ist. Der Energy Campus zeichnet sich durch die Verbindung von Arbeitsqualität und Behaglichkeit, Energieeffizienz und nicht zuletzt auch Umweltfreundlichkeit aus.

Um diese Maxime zu erreichen, hat uns der DGNB-Zertifizierungsprozess unterstützt. Wir haben alle Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen erfüllt. Dafür gab es das DGNB-Platin-Zertifikat – die höchste Bewertung, die jemals ein Gebäude der Kategorie „Bildungsbauten“ erreicht hat. Darauf sind wir sehr stolz!

 

Blicken wir zurück auf die Konzeptphase. Was galt es dort hinsichtlich des Energiekonzepts alles zu beachten?

Vor vier Jahren durften wir anfangen den Energy Campus zu bauen. Wir haben auf der einen Seite die Anforderungen der Nutzer und auf der anderen Seite Anforderungen, die durch Gesetze definiert werden und die eingehalten werden müssen. Dass unsere Besucher sich bei uns wohlfühlen war für uns ein wichtiges Kriterium. Daneben müssen diverse Gesetze und Verordnungen wie die Energieeinsparverordnung (EnEV) und Erneuerbare Energien Wärmegesetz (EEWärmeG), diverse Emissionsschutzverordnungen und Umweltverordnungen eingehalten werden. Und natürlich repräsentiert der Energy Campus auch unser Unternehmen und unsere Philosophie. Das alles galt es in dem Energiekonzept in Einklang zu bringen. Das war eine anspruchsvolle Aufgabe! Der Energy Campus ist konzipiert als Plus-Energie-Gebäude, also als Gebäude, dass mehr Energie selbst erzeugt als es verbraucht.

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Wie genau sieht das Energiekonzept des Energy Campus aus?

Der Energy Campus versorgt sich ausschließlich über den Energieträger Strom – das ist die Philosophie des Hauses. Strom ist aus der Sicht von STIEBEL ELTRON der Energieträger der Zukunft. Mit dem Energy Campus hat das Unternehmen bewusst ein Zeichen gesetzt. Die Zukunft der Energieversorgung auf Basis von Strom ist bereits heute möglich. Unser Credo: Möglichst viel selbsterzeugten Strom maximal nutzen; das wird hier gelebt und entsprechend ist das Energiekonzept ausgerichtet.

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Der Energy Campus versorgt sich ausschließlich über den Energieträger Strom. Mit dem Ziel: den selbst erzeugten Strom maximal zu nutzen.

 

In Zahlen gesprochen heißt das: Er ist 3000 Quadratmeter groß und hat eine Heizlast von 120 kW, das entspricht ungefähr dem Wert von 15 bis 16 neuerrichteten Einfamilienhäusern. Die Kühllast ist bei Nicht-Wohngebäuden in der Regel höher, entsprechend auch hier: 140 kW. Zum Heizen, Kühlen und für warmes Wasser nutzen wir die Sonne, das Grundwasser und die Luft als Energieträger. Klar, dass in einem STIEBEL ELTRON Gebäude Wärmepumpentechnik eingesetzt wird. Es sind zwei Wärmepumpen verbaut, die als Energieträger das Grundwasser nutzen. Zusätzlich ist ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung verbaut, damit wir keine Wärme aus dem Fenster lüften und stets gute Luft für unsere Besucher gewährleisten können. Das ganzheitliche Konzept wird ergänzt durch eine optimierte Gebäudehülle sowie die fassaden- und dachintegrierte Photovoltaikanlage, deren Leistung rund um 120 kWp beträgt. Das Gebäude ist zugleich Kraftwerk und Speicher für erneuerbare Energien. Die thermischen Puffer- und Warmwasserspeicher ermöglichen eine zeitversetzte Nutzung der gewonnenen Energie.

Frank-Röder-zeigt-den-Technikraum-des-Energy-CampusEnergy-Campus-FoyerEnergy-Campus-Themenwelt-Lüftung

Der Campus ist sehr offen gestaltet und im Obergeschoss sind in den Themenwelten 17 Wärmepumpen, 15 Durchlauferhitzer und Lüftungssysteme installiert, die die Besucher in den Schulungsräumen auf Herz und Nieren testen können. Die zu Schulungszwecken erzeugte Wärme oder Kälte wird so weit wie möglich verwendet – ein Reallabor für die Energiewende. Mitarbeiter sowie Besucher, die mit ihrem E-Auto anreisen, tanken übrigens an unserer Elektromobilitäts-Tankstelle kostenlose Campus-Energie.

 

Wir unterscheiden bei unserem Energiekonzept in einen Sommer- und Winterbetrieb. Im Winterbetrieb beheizen die Grundwasser-Wärmepumpen WPF 66 und WPF 27 HT den Energy Campus monovalent und erzeugen auch warmes Wasser für die Küche. Der Wärmeverteilung sind zwei Pufferspeicher, Hoch- und Niedertemperaturniveau vorgeschaltet. Das leistungsstärkere Gerät, die WPF 66, beheizt den Niedertemperatur-Pufferspeicher (35°C/28°C) aus dem wiederum Wärmeübergabesysteme für die Raumheizwärme und Lüftungsgeräte gespeist werden. Die WPF 27 HT lädt das Hochtemperatur-Puffervolumen (70°C/50°C) aus dem die Trinkwassererwärmung bedient wird. Aus dem Hochtemperatur-Pufferspeicher kann in Spitzenlast-Zuständen auch Heizwärme zum Niedertemperatur-Pufferspeicher übertragen werden. Unser selbsterzeugter Strom wird dabei im Campus als auch für die Anlagentechnik verwendet.

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Das Energiekonzept: Winterbetrieb im Energy Campus

 

Im Energy Campus wird entweder geheizt oder gekühlt – und dass mit der Wärmepumpe. Im Sommerbetrieb wird möglichst lange und allein mit der Wärmequelle Grundwasser gekühlt. Reicht diese Leistung, zum Beispiel im Hochsommer, nicht mehr aus, werden beide Wärmepumpen zur Kühlung genutzt. Dafür werden Wärmequelle und Wärmesenke hydraulisch getauscht. Der Kältekreis wird nicht reversiert. Auch im Kühlbetrieb wird Energie aus dem Schulungsbetrieb genutzt sowie der selbst erzeugte Strom auf dem Energy Campus-Dach.

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Das Energiekonzept: Sommerbetrieb im Energy Campus

 

 

Die Energiewende wird im Energy Campus gelebt, das ist toll! Lassen Sie uns über die Energiebilanz sprechen! Wie sehen die ersten Zahlen aus?

Wir durften im ersten Jahr 10.500 Besucher begrüßen, wir sind in der Planung ausgegangen von 6000 Besuchern, das hat sich natürlich auch auf das Energiekonzept ausgewirkt. Warum? 4000 Menschen mehr als geplant, heißt zum Beispiel 4000 zusätzliche Gerichte in der Kantine zubereiten und 4000 Teller abspülen, 4000 Mal mehr Händewaschen und mehr Luftaustausch im Gebäude usw. Als Trainer freuen wir uns über jeden Besucher! Und wir sind stolz und dankbar, dass so viele Partner unseren Energy Campus kennenlernen wollen und unsere Trainings buchen – aber viele Nutzer spiegeln sich in der Energiebilanz wieder. Wir nehmen diese Herausforderung gerne an!

 

 

Strombilanz-Energy-Campus-2016
Energy Campus Strombilanz: Nutzung des selbst erzeugten Stromes – Überblick 2016 | 17

 

Heißt konkret: Für das Jahr 2016/17 sind wir bilanziell kein Plus-Energie-Gebäude. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg! Unser Monitoring-Konzept ist essentiell um Schwachstellen aufzudecken und abzustellen. Insgesamt hat der Energy Campus 131.000 kWh Strom verbraucht, 107.000 kWh haben wir davon selbst erzeugt. Zum bilanziellen Plus-Energie-Gebäude fehlen uns also 24.000 kWh Ertrag oder aber eine entsprechende Einsparung.

Sehr stolz sind wir auf die Haustechnikfunktionen Heizen und Kühlen. Die Bedarfe entsprechen nahezu exakt der Planung. Wir fragen unsere Besucher immer nach ihrem Wohlbefinden. Im ersten Betriebsjahr konnten wir beobachten, dass wir in den Sommermonaten eher zu viel als zu wenig gekühlt haben. Damit haben wir in diesem Bereich noch Einsparpotenzial – das sieht man auch im Behaglichkeitsdiagramm.

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Behaglichkeitsdiagramm: Nutzerkomfort im Energy Campus

 

Im Winter beschäftigen wir uns gerade stark mit dem Thema Austausch der Luftmenge, um nicht zu trockene Luft im Energy Campus zu haben. Das sind kleine Stellschrauben, die wir jetzt drehen, auch wenn wir in dem Bereich schon sehr zufrieden sind.

Die Verbräuche für unsere Beleuchtung liegen dagegen fast 70 Prozent über Plan und beschäftigen uns schon seit der Inbetriebnahme. Trotz hochwertiger Leuchtmittel haben wir einen sehr hohen Bedarf. Wir haben uns natürlich nach dem Warum gefragt? Es liegt zum einen an den Nutzer des Gebäudes, gerade am Anfang haben wir den Energy Campus auch spät abends stimmungsvoll illuminiert. Wir tasten uns jetzt ran, um den Plusenergie-Gedanken durch alle Gewerke hinweg zu leben und Energie einzusparen. So optimieren wir gerade die Lichtsteuerung – innen als auch im Außenbereich. Vor allem in den dunklen Monaten versprechen wir uns hier eine deutliche Verbesserung.

 

 

Wie ist Ihr Fazit?

Das Gebäude, die Qualität, unser Konzept und die Ideen begeistert unsere Besucher. Sie empfinden das Konzept als total schlüssig und sind manchmal erstaunt, dass es so einfach geht.

Der Energy Campus zeigt, dass das Haus der Zukunft – mit eigener Stromproduktion und umweltfreundlicher und nachhaltiger Haustechnik auf Wärmepumpenbasis als zentraler Bestandteil – funktioniert und wirtschaftlich realisiert werden kann. Das Gebäude ist ein Statement zur Philosophie und Ausrichtung unseres Unternehmens!

Der-Energy-Campus-zeigt-dass-das-Haus-der-Zukunft-realisierbar-ist

Die Gebäudetechnik im Energy Campus besteht aus drei Bausteinen: Wärmepumpen, eine Photovoltaikanlage und ein Lüftungssystem. Technik, die wunderbar im Einfamilienhaus, aber auch im Nicht-Wohngebäude funktionieren. Das zeigt der Energy Campus. Der Energiebedarf für den Gebäudebetrieb wurde im ersten Betriebsjahr zu 82 Prozent aus selbst erzeugtem Strom gedeckt – Tendenz steigend. Mein Fazit heißt darum ganz klar: Plus-Energie-Gebäudekonzepte sind auch auf Nicht-Wohngebäude übertragbar.

 

 

Sie wollen den Energy Campus live erleben? Besuchen Sie uns! Steigen Sie ein in die Energiekonzepte der Zukunft! Mehr Infos gibt’s auf www.stiebel-eltron.de/energycampus

 

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