Dr. Kai Schiefelbein, Barcamp Renewables Session

Effizienz-Check: Welche Technik braucht das Smart Home von morgen?

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Häuser in Deutschland denken durch Smart Home Anwendungen für die Bewohner mit. Wie wichtig ist Menschen ein smartes Zuhause? Welche Technik brauchen wir in Zukunft im Haus? Über diese Fragen diskutierten Energiewende-Interessierte auf dem Barcamp Renewables der Energieblogger. Sie haben die Barcamp-Session verpasst? Hier sind nochmal alle Thesen von Dr. Kai Schiefelbein, STIEBEL ELTRON Geschäftsführer Technik, zur smarten Technik der Zukunft.

siebel-eltron_geschaeftsfuehrer-technik_dr-kai-schiefelbeinHerr Dr. Schiefelbein, gefühlt nimmt die Technik im Haus immer mehr zu. Wird dadurch unser Leben auch komplizierter?

Dr. Kai Schiefelbein:  Wer bei Digitalisierung im Haus denkt, alles müsse bunter, schriller und komplexer werden, der denkt meiner Meinung nach in die falsche Richtung. Durch Automatisierung im Haus muss das Leben für die Bewohner einfacher und komfortabler werden. Das wünschen sich auch die Menschen in Deutschland. Wir machen im STIEBEL ELTRON Energietrendmonitor regelmäßig Umfragen zu Themen rund um die Energiewende. Bereits 2015 war die Steuerung des Energieverbrauchs, beispielsweise mit einer App, 38 Prozent aller Befragten wichtig bis sehr wichtig und nur 13 Prozent würden darauf verzichten. Die Tendenz zieht sich durch alle Altersschichten, wer denkt Smart Home interessiert nur Menschen unter 30 Jahren, der irrt. Gerade im Alter kann smarte Technik im Haus das Leben auch erleichtern, weil man eben nicht mehr daran denken muss, beispielsweise seine Heizung zu regeln, sondern alles passiert automatisch und energieeffizient.

Bei der Entwicklung von smarter Regelungstechnik hat STIEBEL ELTRON die Maxime, dass die Bewohner die Technik im Haus nicht spüren sollen – höchstens bei der Nebenkostenabrechnung. Schließlich gibt beispielsweise unser Energiemanagementsystem schon heute automatisch Empfehlungen, die auf eine effizientere Nutzung der Haustechnik ausgerichtet sind. Man muss kein Physiker sein, der drei Stunden am Tag an der Technik im Haus rumtüftelt, um die Energieverbräuche im Haus clever zu nutzen, diese Arbeit haben Entwickler und Produktmanager von STIEBEL ELTRON für den Kunden bereits gemacht.

Gibt es Erfahrungswerte von Kunden? Wie lebt es sich mit einem Energiemanagement Zuhause?

Heute gilt: Je mehr selbst produzierter Strom im eigenen Haushalt verbraucht wird, desto stärker sinken die persönlichen Energiekosten. Flexibel eingesetzt, können Waschmaschine oder Spülmaschine helfen, einen höheren Anteil des eigenen Sonnenstroms zu nutzen. Auch Heizungs- und Lüftungsanlagen nutzen den Stromüberschuss, um Wasser hocheffizient zu erwärmen, und für gute Luft und wohlige Wärme im Haus zu sorgen. Familie Eckert aus Durbach hat kürzlich hier im Blog erzählt, dass zunächst die Vorstellung komisch war, erst dann die Spülmaschine anzustellen, wenn genügend Sonnenstrom da ist. Wenn erste Erfolgserlebnisse da sind, sind Kunden aber oft sehr begeistert. So auch bei den Eckerts! Der Familie macht es jetzt sogar richtig Spaß zu sehen, wie sich die Verbräuche im Haus entwickeln. Das freut uns natürlich, wenn wir mit unserer Technik begeistern können!

Wie kann man sich die Entwicklung eines Energiemanagementsystems vorstellen? Sieht das aus wie bei Daniel Düsentrieb?

Am Anfang steht immer eine Idee, die darauf resultiert, dass wir den Bewohnern im Haus das Leben komfortabler und effizienter gestalten wollen. Ein Daniel Düsentrieb allein könnte so eine Idee aber nicht alleine umsetzen, so ein Projekt bearbeitet ein Team aus vielen Experten. Die Entwicklung eines solchen Produkts ist sehr komplex! Da geht es beispielsweise darum die Platine für die Hardware zu entwickeln, die Software zu schreiben, es wird die Grafik der Bedienoberfläche gestaltet, es gibt viele Schnittstellen zu Systemen und alles wird mehrfach in den Laboren geprüft – wir arbeiten auch unternehmensübergreifend, heißt: unser Energiemanagementsystem-Team arbeitet eng mit SMA zusammen. Alle Komponenten sind aufeinander abgestimmt.

Was sind Ihrer Meinung nach Trends der Branche?

Ausgangsproblematik war, dass oft die Heizflächenregelung, also Thermostatventile der Heizkörper oder die Zonenventile der Fußbodenheizung und der Regler des Wärmeerzeugers unabhängig voneinander und im dümmsten Fall gegeneinander gearbeitet haben. Das wollten wir ändern und daran arbeiten wir derzeit! Die integrierte STIEBEL ELTRON Heizungsregelung soll darum aus Thermostatventilen, Zonenventilen und Raumtemperaturfühlern bestehen, die über Funk mit einer Zentrale kommunizieren und von dieser geregelt werden. Die Zentrale kommuniziert über das Internet Service Gateway (ISG) mit dem Regler der Wärmepumpe. Bedient wird das System über eine App. Der Vorteil ist, dass Wärmepumpenregler und Heizflächenregler aufeinander abgestimmt sind und die Heizkurve sich selbst und „richtig“ einstellt. Ein hydraulischer Abgleich erübrigt sich, das System arbeitet automatisch „hydraulisch abgeglichen“.

Blick in die Gegenwart: Wie erleben Kunden die Technik?

Christian Brandes berichtet im Photovoltaikforum regelmäßig über seine Erfahrungen. Er wohnt mit seiner Familie in einem 140 Quadratmeter großen Einfamilienhaus, ausgestattet mit einer Photovoltaikanlage und einem Lüftungsintegralgerät aus unserem Haus, dass die Funktionen Heizen, Lüften und Warmwasserbereiten in einem Gerät vereint. Gesteuert wird die Technik im Haus mit dem Energiemanagementsystem, bestehend aus SMA Sunny Home Manager und dem STIEBEL ELTRON Energy Management Interface (EMI).

Um zu seinen Erfahrungen zu kommen, die Jahresbilanz aus dem vergangenen Jahr spricht für sich: Die Familie hat im Jahr 2015 insgesamt circa 4000 kWh Strom verbraucht, inklusive dem Bedarf des Integralgeräts LWZ, das ca. 1000 kWh verbraucht hat. Insgesamt haben sie davon mehr als 50 Prozent selbst mit ihrer Photovoltaikanlage erzeugt. Ich denke, so ein Ergebnis kann sich bei einer reinen Verbrauchsoptimierung ohne Akkus und Stromspeicherung sehen lassen.

Selbst ohne Akku ist die Familie dann im April 2015 auf eine Autarkie von über 70 Prozent gekommen. Der steuerbare Großverbraucher, die STIEBEL ELTRON Heizung, hatte einen PV-Strom-Anteil von 94 Prozent. Das ist klasse! Im Juni und Juli wurde warmes Wasser zu 96 Prozent mit Photovoltaik-Strom erzeugt! Klasse Werte – und das heißt gleichzeitig geringe Kosten – sprich die Familie hat für ein warmes Haus und warmes Wasser insgesamt 180 Euro brutto im Jahr gezahlt. Bei einer dreiköpfigen Familie in einem Einfamilienhaus sicherlich kein schlechter Wert. Das gute Gefühl, eine umweltfreundliche Heizung im Haus zu haben und unabhängig von fossilen Energieträgern zu sein, gibt’s gratis dazu.

Was glauben Sie, welche Technik gibt es in den Häusern der Zukunft?

Smart Homes haben unterschiedliche Systeme, ganz unterschiedliche Bereiche werden automatisch gesteuert: die Rollläden, die Haustür, das Licht oder die Heizung. Oft arbeiten alle Regler nebeneinander, da wäre es komfortabler alle Bedienelemente auf einer Oberfläche zu haben. Um so ein System zu entwickeln, sind Kooperationen unterschiedlicher Hersteller nötig und wichtig. Die Systeme müssen für einen reibungslosen Ablauf miteinander sprechen, sodass der Kunde seine Bedürfnisse einmal einstellt. Die Koordination der einzelnen Elemente übernimmt dann die smarte Technik im Hintergrund. Empfehlenswert ist eine Funk-Kommunikation, da dann das System einfach und schnell zu installieren ist. Grundsätzlich muss die Kommunikation der Technik im Haus für den Kunden transparenter werden. Der Kunde hat den Anspruch auf Informationen und die muss er einfach abrufen können. STIEBEL ELTRON arbeitet daran, dass der Kunde einfach nur in sein Zuhause wohnt und sich wohl fühlt – den Rest regelt die Technik.

Vielen Dank.

Wie ist Ihre Meinung? Wollen Sie in einem smarten Zuhause leben? Oder regeln Sie bereits Ihre Heizung per App? Jetzt kommentieren!

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