Propsteikirche St. Trinitatis, Leipzig

Das ist der nachhaltigste Kirchenneubau Deutschlands

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Am 3. Dezember ist der 1. Advent. Anlass für STIEBEL ELTRON Energy Life hinter die Kulissen der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig zu schauen – dem nachhaltigsten Kirchenneubau Deutschlands mit einem innovativen Haustechnikkonzept, das auf Eigenstromerzeugung über Photovoltaikmodule und eine Wärmepumpenkaskade als Heizzentrale setzt.

Im Herzen Leipzigs steht sie, die Propsteikirche St. Trinitatis. „St. Tetris“, nennen die knapp 5.000 Gemeindemitglieder ihren Ort der Stille liebevoll, aufgrund des 50 Meter hohen Glockenturms mit den klaren Kanten und der Gebäudegeometrie. Der Neubau von Schulz und Schulz Architekten (Leipzig) teilt sich in Gemeindezentrum mit Glockenturm, Kirchenraum und Pfarrhof. Die Fassade ist durchgehend mit hellrotem Vulkangestein gestaltet. 1.500 Tonnen Porphyr aus dem nahen Rochlitz wurden dafür verbaut und über der Tragstruktur aus Stahlbeton und der Dämmschicht aus Schaumglas horizontal geschichtet.

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Die beiden Hauptteile des Ensembles – der Turm mit dem angrenzenden zweigeschossigen Gemeindezentrum und der Kirchenraum – sind nur über zwei Brücken im Obergeschoss verbunden. So öffnet sich das Ensemble zur Stadt hin. Der Pfarrhof lädt zum Verweilen ein und wird zum zentralen Ort der Begegnung. Nicht nur Gemeindemitglieder finden so den Weg in den rund 640 Quadratmeter großen Kirchenraum. Er will als „Raum der Stille“ in der hektischen Innenstadt ein Angebot für alle Leipziger sein. Durchatmen. Sich besinnen. Ruhe finden.

14,50 Meter ist der helle Kirchenraum hoch. Direkt über dem Altar haben die Architekten eine große Öffnung für das natürliche Licht in die Decke integriert. Hier wird der Raum in 22 Metern Höhe durch ein Band aus Oberlichtern begrenzt oder vielmehr geöffnet. Das einfallende Tageslicht inszeniert den Altar und verleiht dem gesamten Raum eine außergewöhnliche Atmosphäre. Das 22 Meter lange und 3 Meter hohe ebenerdige Kirchenfenster öffnet und begrenzt den Kirchenraum gegenüber der Innenstadt. Gestaltet wurde das Fenster vom Leipziger Künstler Falk Haberkorn mit Bibeltexten aus dem Alten und Neuen Testament. Je nach Lichteinfall sind sie sichtbar.

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Im Obergeschoss erweitert sich der Kirchenraum auf eine Empore, die Platz für die Aufstellung von Orgel, Chor und weiteren Kirchenbänken bietet. Die Altarrückwand schmückt ein großes hölzernes Kreuz, das wie alle liturgischen Objekte von Jorge Pardo (Los Angeles) gestaltet wurde. Auf der gegenüberliegenden Raumseite ist das Kreuz als Negativ in die Wand geschnitten. Es ist ein ganz besonderer Moment, wenn das Licht der Westsonne durch den Einschnitt in den Raum fällt und neben dem hölzernen Kreuz ein Lichtkreuz über dem Altar zeichnet.

Es ist ein Ort, der beeindruckt. Seit ihrer Eröffnung im Mai 2015 wurde St. Trinitatis vielfach ausgezeichnet – etwa mit der „Nike“ vom Bund Deutscher Architekten oder als „Religiöses Gebäude des Jahres“ beim World Architecture Festival 2016. Außerdem erhielt der Neubau den Balthasar Neumann Preis 2016, der neben der baukulturellen Qualität die herausragende interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich Architektur (Schulz und Schulz), Tragwerk (Seeberger Friedl) und Energie/Nachhaltigkeit (ee concept) und Technische Gebäudeausrüstung (MLT Medien Licht Technik Ingenieure) honoriert. Denn St. Trinitatis gilt derzeit als nachhaltigster Kirchenneubau Deutschlands.

Planer-Propstei-LeipzigEin Blick ins Nachhaltigkeitskonzept: Es war ein wesentliches Anliegen der Gemeinde, den christlich motivierten Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung im Sinne eines nachhaltigen Gebäudes vom Architektenwettbewerb über die Bauphase bis zum Gebäudebetrieb umzusetzen. Alle Bauteile sind deutlich stärker gedämmt als die gesetzlichen Mindestanforderungen verlangen, weitestgehend schadstofffrei und aus langlebigen, mineralischen und nachwachsenden Materialien. Zudem tritt St. Trinitatis den Beweis an, dass auch für größere Gebäudeanlagen in der Innenstadt Erdwärme eine attraktive Alternative zur Fernwärme darstellt. „Leipzigs Innenstadt ist Fernwärmegebiet. Die Gemeinde wollte aber energetisch so autark wie möglich sein und ganz auf erneuerbare Energien setzen“, erläutert Torsten Hauke vom verantwortlichen TGA-Planungsbüro MLT. „Deshalb entschied man sich im Sinne der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für die Wärmeversorgung über eine Sole-Wasser-Wärmepumpenanlage.“

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Es werden drei STIEBEL ELTRON Sole-Wasser-Wärmepumpen (WPF 52) genutzt, die die Wärme für die Gebäudeheizung über 18 Erdsonden mit einer Tiefe von je 140 Metern und über eine Erdsonde mit einer Tiefe von 100 Metern aus dem Erdreich gewinnen. Da die Pumpen umso effizienter arbeiten, je geringer der Temperaturunterschied zwischen Erdreich und Heiztemperatur ist, verteilt eine Fußbodenheizung mit entsprechend niedriger Vorlauftemperatur die Wärme. Im Sommer wird das Gebäude über die Anlage auch passiv gekühlt: Die Wärme aus dem Gebäude wird über die Sonden in die Erde abgegeben, was wiederum der Regeneration der Sondenanlage zugutekommt.

Der Strombedarf der Kirche soll zu 40 Prozent aus Sonnenenergie gedeckt werden. Auf dem Dach des Kirchsaals befindet sich eine Photovoltaikanlage mit einer Fläche von 333 Quadratmetern, und in die Südfassade des Glockenturms wurde eine PV-Anlage mit einer Größe von 144 Quadratmetern eingefügt, die sich auch gestalterisch integriert. Die Gesamtleistung der Solaranlage entspricht 54 kWp. Im Kirchturm wird zudem in einem 29.000-Liter-Tank Regenwasser gesammelt und über Schwerkraft zu den Bedarfsstellen in den WC-Bereichen im Gebäude geleitet.

Seit September 2017 läuten in der Propsteikirche wieder die Kirchenglocken – ein Symbol für das zeitgemäße Verantwortungsbewusstsein einer Kirche des dritten Jahrtausends. Und so wird die Advents- und Weihnachtszeit für die Leipziger nicht nur besinnlich, sondern dank ihrer „St. Tetris“ auch gut für die Umwelt.

Interessieren Sie sich für Wärmepumpen-Technologie? Mehr Infos zu Funktionsweise, Energiequellen und Förderung finden Sie hier: www.stiebel-eltron.de/waermepumpe

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