Elisa Stamm, TU Darmstadt

Cubity: Wohnen im Forschungswürfel

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Cubity Frankfurt setzt auf STIEBEL ELTRON Wärmepumpen

Wie machen wir Gebäude klimaneutral? Wie schaffen wir bezahlbaren Wohnraum in Ballungsgebieten? Fragen, die das Pilotprojekt „Cubity“ in den nächsten drei Jahren erforschen will. Elisa Stamm von der TU Darmstadt gewährt einen Blick in den Forschungswürfel.

Elisa Stamm von der TU Darmstadt erforscht die Zukunft des Bauens im Cubity Er steht mitten in Frankfurt-Niederrad auf einer Wiese. Der Cubity. 16 mal 16 Meter Grundfläche, sechs Meter Höhe. Schlicht wirkt er auf den ersten Blick, beinahe unauffällig, umgeben von Reihenhäusern aus den 50ern. Das Innenleben und der Gedanke des Cubity ist dagegen alles andere als gewöhnlich: Konstruiert hat das Projekt die TU Darmstadt, hergestellt die Deutsche Fertighaus Holding AG. Die Beteiligten wollen Erkenntnisse für den Wohnungsbau der Zukunft gewinnen. Wie leben wir also in künftigen Ballungsgebieten? Im Projekttitel Cubity sind drei Leitthemen verbunden: „cube, city und community“ – das experimentelle Wohnkonzept und Sonderexponat des „Solar Decathlon Europe 2014“, wird nun als „Living Lab“ getestet.

Cube: Wohnen auf 7,6 Quadratmetern

Das Gebäude, bewohnt von elf Studierenden und einem Sozialwissenschaftler, besteht aus nachwachsenden Rohstoffen. Die einzelnen Module können komplett wieder ab- und an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden. Konstruiert ist der Cubity nach dem „Haus im Haus-Prinzip“, das heißt im Haus sind zweigeschossig 12 Wohn-Cubes angesiedelt.

Effizient geplant_Leben auf rund 7 QuadratmeterStudenten testen Wohncubes in Frankfurt

Der einzelne Wohnwürfel ist als Privatbereich – klein, aber fein. Elisa Stamm von der TU Darmstadt betreut das Forschungsprojekt. Den Forschern steht ebenfalls ein Cube zur Verfügung. Auf einer Grundfläche von nur 7,6 Quadratmeter ist alles drin: Bett, Tisch, Stuhl und Schrank plus zusätzlicher Stauraum sowie eigenes Badelement mit Dusche, Waschbecken und WC. Jeder Zentimeter ist clever verplant. „Es ist keine Familienlösung, sondern eher die Studenten-WG der Zukunft. Gerade in Ballungsgebieten mit wenig Platz und viel Wohnbedarf sind neue Lösungen gefragt“, so Stamm.

City: Nachhaltigkeit ist Megatrend der Zukunft

Im Cubity treffen Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf Wohnungsbau, Forschung trifft auf Leben. Insbesondere die Suffizienz beschäftigt die Forscher. Im Begriff „Suffizienz“ werden „Quadratmeter“ und „Kilowattstunde“ zu der Frage zusammengeführt: Was brauchen wir wirklich? Eine Frage, die nicht ganz einfach zu beantworten ist und zum Nachdenken anregt. „Wir haben bei der Konzeption erstmal alle festgeschriebenen Komfortansprüche infrage gestellt. Nicht falsch verstehen, es geht nicht um den reinen Verzicht, sondern auch darum die optimale Schnittstelle von Effizienz und Komfort zu finden.“ Die Gesellschaft der Zukunft wird keine Wegwerfgesellschaft sein, „Sharing“ wird in vielen Lebensbereichen eine Schlüsselrolle spielen.

Community: Gemeinsam leben für eine grüne Zukunft

Im Cubity teilen sich die Bewohner die großzügig geschnittene Küche, Galerie und Terrasse. In der Mitte befindet sich ein zentraler „Markplatz“, in dem sich die Bewohner zum Essen, Plaudern und abends auf ein Glas Wein treffen.  Das Motto des Forschungswürfels: Günstig Wohnen, viel Raum für Gemeinschaft und höchste Energieeffizienz.

Luft-Wasser-Wärmepumpe heizt effizient Cubity in FrankfurtDas Energiekonzept zielt darauf, den Bedarf der Bewohner an Strom und Wärme vollständig selbst zu produzieren. „Die dazu nötige Sonnenenergie gewinnen wir über die lichtdurchlässige Fassade sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach“, erklärt Elisa Stamm die Technik im Haus. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Pufferspeicher speist die Heiz- und Kühlflächen im Hallenboden und den Würfeldecken; für die Vorerwärmung des Trinkwassers sorgt ein Heizwasser-Wärmespeicher. „Die Herausforderung bei der Optimierung der Bilanz ist der Faktor Mensch“, sagt Elisa Stamm und lacht, „jeder Bewohner hat seine eigene Wohlfühltemperatur, jeder hat ein eigenes Lüftungsverhalten. Da wird dann auch manchmal untereinander diskutiert.“

Erste Zwischenbilanz: „Inwieweit die Verbrauchszahlen mit unseren Berechnungen übereinstimmen wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Es hat sich in den letzten Monaten aber auch herausgestellt, dass sich nachhaltiges Wohnen in erster Linie gut anfühlt. In Zeiten des Klimawandels belasten wir die Umwelt nicht – und das ist ein sehr gutes Gefühl.“

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