EVM Berlin eG, Wohnungsbaugenossenschaft mit Weitblick

Neuer Bau-Trend? Berliner nutzen Wärmeenergie aus der Abwasserleitung

| 0| 17

 Berliner-nutzen-Wärmeenergie-aus-der-Abwasserleitung

Öffentliche Abwässer als Wärmequelle für Wärmepumpen: Die EVM Berlin eG, eine Berliner Wohnungsbaugenossenschaft setzte auf eine außergewöhnliche Wärmequellen-Lösung. Wer die Energiewende vorantreiben will, geht manchmal neue Wege. Ein Planungsbericht.

2011 starteten die ersten Überlegungen: Auf dem rund 5.300 Quadratmeter großen und damals noch teilbebauten Grundstück in Berlin-Karlshorst wollte die EVM Berlin eG Wohnraum schaffen. Umweltfreundlich und energieeffizient sollte es sein – und vor allem innovativ. „Das Architektur- und Ingenieurbüro R. Lichtl legte einen Entwurf vor, der uns sofort überzeugt hat“, erinnert sich Vorstand Torsten Knauer. Im Juli 2014 wurde die Altbebauung entfernt, im Oktober erfolgte der Startschuss für den Aushub der Baugrube.

 

Komfortable-Warmwasserbereitung-mit-STIEBEL-ELTRON

 

Das Besondere: „Die Idee für die Nutzung der Abwärme von Abwasser als Energiequelle für die Beheizung hat Jürgen Lang vom Ingenieurbüro Lang aus Berlin schon ganz früh ins Spiel gebracht“, erinnert sich Torsten Knauer. „Grundsätzlich schauen wir bei unseren Neubauten immer, welche innovativen Lösungen es gibt – die letztendlich auch wirtschaftlich sein müssen. In einem Gespräch ganz unabhängig von diesem Bauvorhaben hat uns damals Herr Lang von dieser Lösung überzeugt, und in den folgenden Tagen haben wir geschaut: Wo könnte man so etwas realisieren? Ursprünglich hatten wir allerdings die Information erhalten, dass im Umfeld dieses Neubaus keine solche Abwasser-Druckleitung liegen würde – also hatten wir uns schon Gedanken um eine alternative Lösung gemacht und eine ‚normale‘ Erdwärmepumpenanlage favorisiert. Als dann die Bestandspläne vom Katasteramt auf dem Tisch lagen, waren wir überrascht: Da war eine Abwasser-Druckleitung direkt in der angrenzenden Straße eingezeichnet. Nach den positiven Gesprächen mit den Wasserbetrieben war die Entscheidung schnell gefallen: So wird es hier gemacht.“

 

Aus Abwasser Wärme erzeugen, wie funktioniert das?

Drei Gebäude mit drei und vier, teilweise auch fünf Geschossen bilden den innovativen Komplex. Das gesamte Ensemble gliedert sich um einen begrünten Innenhof. Die 60 bis 155 Quadratmeter großen Wohnungen wurden schwellenlos konzipiert und verfügen jeweils über einen Außenbereich: eine Terrasse, eine Loggia oder einen Balkon. Viel Platz zum Wohlfühlen! Im Kellergeschoss ist nicht nur eine Tiefgarage mit 70 Pkw-, fünf Motorrad- und 160 Fahrrad-Stellplätzen untergebracht, sondern auch der Technikraum mit der innovativen Heizungsanlage.

 

Umweltfreundliche-Technik-von-STIEBEL-ELTRONUmweltfreundliche STIEBEL ELTRON TechnikWärmepumpen-nutzen-Abwärme

 

Die Kaskade aus sechs STIEBEL ELTRON Großwärmepumpen WPF 66 als Herzstück der Heizungsanlage nutzt die Abwärme der öffentlichen Abwasser-Druckleitung, die in der angrenzenden Straße verläuft. „Auf einer Länge von knapp 80 Metern wurde ein Rohr-in-Rohr-System installiert“, erklärt Ingenieur Franz Müller, der bei der Genossenschaft für die Projektleitung der Neubaumaßnahme zuständig ist. Aber wie funktioniert das? Aus Abwasser Wärme erzeugen? Franz Müller erklärt’s so: „Das rund zwölf bis 20 Grad warme Abwasser wird durch das innere Rohr mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern gedrückt. Im rund vier Zentimeter starken Zwischenraum um Außenrohr zirkuliert Wasser als Übertragungsmedium für den Wärmetauscher.“ Für die Nutzung der Abwärme zahlt die Genossenschaft dann eine Vergütung an die Berliner Wasserbetriebe, den Betreiber der Abwasser-Druckleitung. Die Wärmeverteilung im Gebäude erfolgt größtenteils über Flächenheizungen, so dass eine Vorlauftemperatur von 35 Grad ausreicht – ideale Bedingungen für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb.

 

Umweltenergie statt Gas: 35 Tonnen CO2 wird dank Wärmepumpen-Technik pro Jahr eingespart

STIEBEL ELTRON Mitarbeiter Gunnar Wilcke, der die Planung maßgeblich begleitet hat, ist von der Anlage begeistert: „Dank der hohen Effizienz der Wärmepumpen und der garantiert guten Quellentemperaturen erwarten wir eine Jahresarbeitszahl von über sechs. Das heißt aus einer Kilowattstunde Strom werden dank der Wärmepumpenanlage also mehr als sechs Kilowattstunden Wärme.“ Beeindruckende Zahlen, die gut für die Umwelt sind. Insgesamt können mit der Anlage pro Jahr nämlich 35 Tonnen CO2 gegenüber einer herkömmlichen Gasheizung eingespart werden. Das begeistert Planer und Mieter gleichermaßen.

 

Die-Berliner-Wohnungsbaugesellschaft-plante-mit-STIEBEL-ELTRON-umweltfreundlichen-Wohnraum

 

Mittelfristig werden auch die benachbarten Bestandsgebäude der EVM Berlin eG mit 119 Wohnungen an die umweltfreundliche Heizungsanlage angeschlossen. „Die Heizleistung der Wärmepumpenanlage ist dafür ausreichend“, ist sich STIEBEL ELTRON Experte Gunnar Wilcke sicher – obwohl für die Versorgung des energetisch nicht optimalen Gebäudes eine Vorlauftemperatur von 75 Grad notwendig ist.

Das gesamte Konzept, insbesondere aber die energetische Lösung, überzeugte nicht nur den Vorstand und die Mitglieder der EVM Berlin eG – auch eine unabhängige Jury mit Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Journalismus zeigte sich beeindruckt: Das Objekt erhielt den „Genossenschaftspreis Wohnen 2015“ vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. „Die Genossenschaft verknüpft in hervorragender Weise vorausschauendes, generationengerechtes Bauen mit ökologischer Energieversorgung im Interesse ihrer Mitglieder“, so die Begründung der Jury. Herzlichen Glückwunsch!

Wohnen Sie in einem Mehrfamilienhaus, das auf Wärmepumpen setzt? Oder haben Sie ein Eigenheim, in dem eine Wärmepumpe für Wärme und Warmwasser sorgt? Schreiben Sie uns!

Weitersagen:
Hinterlassen Sie einen Kommentar